Onomichi – Katzen, Friedhöfe und der (fast) einsamste Bahnhof Japans

Eigentlich schreibe ich diesen Beitrag nur wegen des schönen Fotos mit dem Ausblick auf die Inlandsee, das ich am Morgen nach der Fahrradtour in Onomichi gemacht habe und das unbedingt in diesen Blog gehört.

Aussicht

Onomichi hat gut 130000 Einwohner, wirkt aber im Zentrum höchst kleinstädtisch. Als Hafen zwar schon seit rund 1000 Jahren in Betrieb, genießt Onomichi gerade einmal seit 1898 Stadtrecht. Ein Bergzug trennt den zur Inlandsee gelegenen Stadtkern von der wesentlich flächengreifenderen Neustadt Shin-Onomichi. Wir übernachten in einem westlich gestylten Hotel, das im Erdgeschoss über eine Brasserie verfügt und dessen graumelierter Empfangsportier in seiner Livree eine mottenkugelhafte Distinktion verströmt, die nach verblichenem französischen Flair riecht. Im Hotel gibt es ein kleines Badehaus, das auch für externe Gäste zur Verfügung steht. Auf den an den Wänden des Badehauses befestigten Verbotsschildern wird darauf hingewiesen, dass tätowierten Gästen der Zutritt untersagt ist. Das ist durchaus üblich in Japan, denn Tätowierungen werden dort mit der Zugehörigket zur Unterwelt gleichgesetzt. Die Yakuzas, die Angehörigen der japanischen Mafia, tragen Tätowierungen, bei denen es sich oft um hochkomplexe Gemälde handelt, die sich monumental über Rücken, Gesäß und Schenkel erstrecken. Essen und Trinken ist auch verboten. Am schönsten aber das folgende Verbot: „Shooting is not allowed in the bathhouse“. Gemeint ist natürlich das Schießen von Fotos.

Onomichi 3
Im Zentrum von Onomichi: Mauern – und dahinter: Friedhöfe

Onomichi 2

Onomichi Fußgängerzone
Eine andere Art von Friedhof: Einkaufspassage im Stadtzentrum
Onomichi Bilder an Kneipenwand
Von Gästen gemalte Bilder in einem Imbiss
Alien mit Violine
Schaufenster in Onomichi: Alien mit Violine

Ansonsten ist Onomichi eine Stadt, die offenbar nur aus Tempeln, Treppen und Friedhöfen besteht. Oberhalb der Regionalbahnlinie, die die direkt am Wasser liegenden Viertel vom Rest der Stadt abschneidet, so dass sie wie ein schmales Tuch zwischen Wasser und Schiene eingeklemmt sind, zieht sich die Stadt am Hang hinauf, was zu vielen winkligen Gassen und Treppen führt, die um Mauern herumgeschlungen sind, hinter denen wir immer nur Grabsteine erspähen. Katzen huschen durch nächtliches Zwielicht.

Onomichi

Onomichi 5

Aussichtsturm

Aussichtspunkt mit Katzendeko
Aussichtsplattform mit Katzen-Deko für romantische Erinnerungsfotos

Aussicht 2

Am nächsten Morgen lassen wir uns Zeit auf dem Weg zum Bahnhof von Shin-Onomichi, wo der Shinkansen nach Hiroshima hält. Wir nehmen die Seilbahn auf den Berg hinauf, genießen dort Ausblick und Eiscreme und laufen dann nördlich den Hang hinunter in die Neustadt hinein. Dort befindet sich der Shinkansen-Bahnhof, also der Bahnhof, an dem die Hochgeschwindigkeitszüge halten. Warum ausgerechnet Onomichi in den Genuss einer solchen Bahnstation gekommen ist, ist unklar. Es halten auch beileibe nicht alle Shinkansen hier, nur sehr ausgewählte Züge auf der Strecke Osaka-Hiroshima, jede Stunde einer. Alle anderen brausen durch. Wenn man bedenkt, dass der Shinkansen zwischen Tokyo und Kyoto praktisch im 5-Minuten-Takt verkehrt, ist diese Frequenz schon ein Ausweis der potentiellen Vergessenheit der Bahnstation Shin-Onomichi.

Der Bahnhof, als wir ihn schließlich erreichen, ist tatsächlich ein höchst leerer Ort, durch den der Wind pfeift. Man kann vom Bahnsteig aus nach rechts und nach links gucken und man sieht… nichts. Tatsuma guckt im Internet nach: Obwohl dies nun wirklich wie der gottverlassenste und sinnloseste Bahnhof für einen Hochgeschwindigkeitszug wirkt, gibt es tatsächlich irgendwo im Norden von Honshu einen noch einsameren Bahnhof, und zwar auf der Shinkansen-Strecke zwischen Tokyo und Hakodate (Hokkaido). Dort steigen täglich lediglich 68 Passagiere ein, hier in Shin-Onomichi sind es immerhin rund 100.

Weg nach Shin-Onomichi 1
Weg Richtung Sin-Onomichi

Weg nach Shin-Onomichi 2

Weg nach Shin-Onomichi 3

Weg nach Shin-Onomichi 4

Bahnhof Shin-Onomichi
Im Bahnhof von Shin-Onomichi
Bahnhof Shin-Onomichi rechts
Shinkansen-Bahnhof von Shin-Onomichi: Blick nach rechts
Bahnhof Shin-Onomichi links
Shinkansen-Bahnhof von Shin-Onomichi: Blick nach links
Weg nach Hiroshima
Auf dem Weg nach Hiroshima

Unterwegs queren wir eine weitere Besonderheit des ländlichen Japan: Einen Reis-Automaten, an dem man sich gegen Münzeinwurf Reis abfüllen kann. Die Maschine schält auch die Reiskörner, die Spelzen fallen in einen Sack unterhalb des Ausgabebereiches und dürfen gratis mitgenommen werden.

Reisautomat
Reis-Automat: „Coin Excellent Rice“

Reisautomat 1

Reisautomat 2

 

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Autor: docmittelstedt

travelling minds

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